Donnerstag, 29. September 2016

Letztendlich ...

ist es nicht das Schlimmste, was passieren kann, wenn einem von Zeit zu Zeit mal wieder die eigenen Schwachpunkte im Selbstschutzgehäuse klar gemacht werden. Manchmal wird man nachlässig, macht keine Kontrollgänge mehr, um die eigenen Grenzen nach Lücken abzusuchen, Wenn alles gut läuft, sieht man keine Notwendigkeit, wiegt sich in Sicherheit und wird bequem. Kommt dann ein wie auch immer gearteter Angriff von außen, versteht man die Welt nicht mehr und, bevor man sich es versieht, hat der Pfeil mitten ins Herz getroffen. 
Ich war immer, und bin wohl immer noch, so das typische Mobbingopfer. Bei Mobbing jeder Art rufe ich " Hier, mobb mich, ich bin wie dafür geschaffen! Ich weiß genau, wie das läuft, und verhalte mich regelkonform, gehe erwartungsgemäß nach etwa der fünften Attacke in die Knie!"

Lange Zeit wusste ich überhaupt nichts von den ungeschriebenen Regeln, die das Zusammenleben der Menschen hat. Meine sonnenblumige Meinung war immer:" Ich bin nett und will nur dein Bestes, also bist du auch so. Alle Menschen sind so, dass kann gar nicht anders sein!" Sollte ich ein Bild von diesem "Ur-Ich" malen, wäre es wohl die fröhliche schwarzbunte Kuh mit dem Blümchen im Maul. 
Diese irrige Annahme führte im Umkehrschluss dazu, dass, wenn mir jemand nicht nett kam, ich automatisch annahm, dass es meine Schuld sein, es an mir liegen müsse. Solche Überzeugungen entstehen in der Kindheit, erst recht, wenn das Elternhaus nicht wohlmeinend, behütend und liebevoll fördernd war. 

Selbstporträts konnte ich noch nie.... naja, man sieht, was ich meine :) Sollte jemand dieses Bild klauen und verwenden, würde ich mich geehrt fühlen! 

Jedenfalls, man kann mich schnell treffen. Und die Leute, die mich ein bisschen besser kennen, wissen, dass ich auch noch bei der größten Ungerechtigkeit immer einen Grund finde, ihr Verhalten zu verstehen, zu tolerieren, dass ich gleich freiwillig in die Nettigkeitsfalle hüpfe, Das macht es denen leicht, die ihren eigenen Lebensfrust auf Kosten anderer abladen möchten. 

Und es war mal wieder so weit. Völlig wie aus heiterm Himmel wurde mir die Schuld an einer Situation zugeschustert, mit der ich nicht im Geringsten zu tun hatte. Meine (vorsichtige :) ) Nachfrage, ob ich denn mehr Informationen zum Thema haben könne, man möchte mir bitte nicht böse sein, aber ich müsse doch wissen, was gemeint ist.... führte zu noch mehr Aggression und zu noch mehr unhaltbaren Schuldzuweisungen. Da fiel es mir auf, denn das Muster kannte ich schon: Es geht hier nicht um Fakten, um die Klärung und Bereinigung einer Sache, es geht hier um das böse M- Wort. Ehe ich es mich versah, steckte ich mitten drin in der Situation. 

Mein Körper reagierte gewohnt zuverlässig mit Blutdruckerhöhung, fiesen Magenschmerzen und Herzstolpern. Da kennt er sich aus, das hat er noch gespeichert. Aber diesmal, auch mit vielen guten Ratschlägen von Mann, Kindern und Freunden, stoppte ich den Wahnsinn im Ansatz.

Der Mann riet mir, alles haargenau zu notieren, was ich in meiner ersten Aufregung wirklich beinahe vergessen hatte. Guter Tipp, denn selbst die stärksten Eindrücke werden nach einigen Tagen vage. Der eine Sohn weiß viel über körperliche Gesundheit und die Zusammenhänge mit seelischem Leid und versorgte mich mit Tipps und Pillen (Vitamine, nicht was ihr denkt), um den körperlichen Prozessen gegenzusteuern. Die Tochter hat einen sehr realistischen Blick auf das Leben und holte mich wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Der andere Sohn bestärkte mich in der Haltung, dass man sich niemals einfach alles gefallen lassen muss.

Die Freunde halfen mir mit ihrer Sicht von außen, nicht nur auf die Behauptungen und die Kränkungen zu fokussieren, sondern das Ganze im Kontext zu betrachten. Und ich bekam wertvolle rechtliche Informationen zum Thema.

Gut dran, wer solche Leute um sich hat. Ich selbst musste mich zwingen, die erlittene Kränkung nicht persönlich zu nehmen und nicht bei mir nach vermeintlichen Fehlern zu suchen. Auch musste ich den Gedanken akzeptieren dass, je nach dem, so eine Sache auch dazu führen könnte, dass ich die Lebenssituation wechseln muss. Ein unangenehmer Gedanke, natürlich will ich das nicht. Aber erst, wenn man dies akzeptiert, kann man sich richtig wehren. Wenn einem das eigene Wohlbefinden wichtiger ist als die Umstände, kann man die Mauer stark genug machen.

So, da stehe ich jetzt. Ein bisschen fühle ich mich noch wie ein kleines Mädchen in einer massiven Ritterrüstung, aber das ist ok. Die Rüstung erinnert mich immer wieder daran, wer ich bin. Niemand, der für die Ungereimtheiten in andrerleuts Leben den Rücken hinhalten oder gar stellvertretend Schuld fühlen muss. Wachsamkeit ist gefragt, die Pfeile kommen immer noch mal aus unerwarteten Ecken. Diese Geisteshaltung ist anstrengend, es ist wirklich so, dass ich ständig meine inneren Grenzen ablaufe, um etwaige Schwachstellen zu reparieren. Aber es verändert mich, es fällt mir leichter. Und das ist gut so. Innerlich möchte ich mir noch nach jedem "frechen" Wort, nach jeder nicht so verständnisvollen Erwiderung oder jedem Nein von mir selbst auf den Mund schlagen, aber ich weiß, dass gehört zum Prozess dazu. Es braucht Zeit, von der Mimose zur Rose zu werden, aber ich denke fast, es lohnt sich.... 


Zieht den Energievampiren den Stecker...